Kauf



Augen auf beim Volvo-Kauf!




Wer mit Volvo liebäugelt, aber die Neuwagen-Preise scheut, kommt sehr schnell auf die Idee, sie einen Gebrauchten zuzulegen. Das ist auch sicherlich nicht verkehrt, schließlich ist ein Neuwagen eine Geldvernichtungsmaschine (Anschaffung, Vollkasko, Wertverlust im ersten Jahr,...). Trotzdem gibt es auch bei gebrauchten Volvos (vielleicht weniger als bei anderen Fabrikaten) einige Dinge, die man beachten sollte sonst sieht er nachher so aus:


Zunächst sollte man sich sicher sein, was man erwartet und was man dafür ausgeben will (diese beiden Kriterien sollten dann möglichst auch noch korrespondieren). Hat man ein interessantes Angebot gefunden, sollte man dieses möglichst genau unter die Lupe nehmen (den berühmten „Kollegen, der Ahnung davon hat“ nur mitnehmen, wenn er wirklich Ahnung hat!). Hier ist eine kleine (unvollständige) Checkliste:

*      Zunächst sollte man die Angaben im Fahrzeugbrief mit denen des Verkäufers vergleichen (z.B. Zahl der Vorbesitzer). Darüber hinaus sollte man sich das Checkheft sowie den letzten TÜV-Bericht (muß seit 01.01.2000 immer mitgeführt werden!) und die AU-Bescheinugung ansehen.

*      Der Kilometerstand auf dem Tacho sollte mit dem Zustand des Fahrzeuges übereinstimmen. Steht z.B. 80.000km auf dem Tacho, können i.d.R. die Sitze noch nicht verschlissen sein, die Gurte nicht ausgefranst, die Fußmatten noch nicht durchgetreten und Schaltknauf sowie Wischerhebel noch nicht abgegriffen sein. Keine Angst vor hohen Laufleistungen: Volvo(Benzin)-Motoren sind dafür bekannt, daß sie auch jenseits der 300.000km bei sachgerechter Wartung und Pflege noch gut sind. Andererseits kann ein Wagen mit 10Jahren und „echten“ 50.000km bereits sog. Standschäden aufweisen, z.B. an tragenden Teilen, da diese über einen längeren Zeitraum nur einseitig belastet wurden. Außerdem deutet solch eine geringe Laufleistung auf viel Kurzstreckenverkehr hin, was den Motor immer besonders belastet, da er nie die Betriebstemperatur erreicht.

*      Fahrgestellnummer im Brief/Schein mit der am Fahrzeug vergleichen.
 
*      Als nächstes sollte man das allgemeine Erscheinungsbild genauer betrachten:
    o    Wirkt der Wagen gepflegt oder wurde er schon länger nicht mehr gewaschen und liegen gar  Kippen oder Müll im Innenraum? Dies läßt auf einen schlampigen Umgang des Besitzers mit        dem Wagen schließen, so daß er wahrscheinlich auch sonst nicht gut gepflegt wurde.
    o    Ist er über Gebühr mit Rost befallen? (sollte er nicht, sind ja feuerverzinkt)
    o    Hat die Verglasung (bes. die Windschutzscheibe) Löcher oder gar „Spinnennetze“)? Diese wären spätestens zum nächsten TÜV-Termin fällig, was häufig sehr kostspielig ist.
    o    Wie sehen die Reifen aus? Haben sie genug Luft und sind sie gleichmäßig abgelaufen? Ungelichmäßige Abnutzung läßt auf zu wenig Luftdruck oder gar Probleme mit dem Fahrwerk schließen (Vorsicht!!!)

*    Lassen sich alle Türen, die Motorhaube und der Kofferraumdeckel leicht öffnen und schließen? Sind die Abstände der Türen zur Karrosserie gleich? Ist dies nicht der Fall, so deutet das auf einen Unfallschaden hin! Das gleiche gilt für die Fenster.

*    Dann sollte man auch mal die Fußmatten hochnehmen und überprüfen, ob darunter alles trocken ist. Besonders auf der Fahrerseite, da sich auf dieser Seite auch das Heizungsventil befindet. Hat sich hier Feuchtigkeit gesammelt, so deutet das entweder auf eine Undichtigkeit der Karosserie oder der Heizung hin.


Als nächstes geht es an die Inspektion des Motors:

*    Ist er frisch gewaschen, obwohl der restliche Wagen schmutzig ist? Dann will der Verkäufer vielleicht einen Flüssigkeitsverlust verbergen! Wichtig: Wenn der Motor sauber ist, sollte er dies auch nach der Probefahrt noch sein! Ist er nicht gewaschen (was durchaus in Ordnung ist), sollte man darauf achten, ob man irgendwo (auch unter dem Fahrzeug) Öllachen oder eine gelbe, rosa oder grüne Kruste oder Sprenkler im Motorraum sieht. Dies Kruste oder die Sprenkler deuten auf eine Undichtigkeit im Kühlsystem hin.

*    Flüssigkeitsstände kontrollieren: Die Qualität des Öls, der Brems- und Kühlflüssigkeit können zwar vor Ort nicht überprüft werden, es sollte jedoch wenigstens genug davon vorhanden sein; und zwar da, wo es auch hingehört!

*    Öleinfülldeckel aufschrauben und in die Innenseite schauen: Hat sich hier weißer Schaum gebildet, bedeutet daß, daß Kühlwasser im Ölkreislauf ist, was auf eine defekte Zylinderkopfdichtung hinweist.

*    Nach Möglichkeit sollte man den Zustand des Luftfilters und einer Zündkerze überprüfen: Der Luftfilter darf nicht schwarz sein und die Elektroden der Zündkerze sollten mit leicht grau-braunen Ablagerungen überzogen sein. Sind die schwarz oder schon halb vekohlt, so deutet dies auf schwere Motorschäden hin!

*    Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man sich den Wagen von unten ansehen; am besten auf einer Bühne oder Grube. Ist der Auspuff kaputt, so ist das (zumindest hinter dem Kat) nicht weiter schlimm, läßt sich aber in den Preisverhandlungen mit einbringen! Rostet der Auspuff aber stark, der Unterboden weist jedoch neuen Unterbodenschutz auf, so ist auch hier Vorsicht angesagt.

*    Außerdem alle tragenden Teile auf Rostbefall und „Spiel“ überprüfen.

Wenn man sich das selbst nicht zutraut, kann man im Rahmen der Probefahrt auch eine Werkstatt oder den TÜV ansteuern, die kontrollieren den Wagen meist anstandslos und ein Verkäufer mit gutem Gewissen wird sicher nichts dagegen haben!

Als nächstes geht es an die Probefahrt:

*    Bevor man den Motor startet, kann man mal einen prüfenden Blick auf die Gurte werfen: Sind sie in einwandfreiem Zustand und rollen sie leicht ab und wieder auf?

*    Dann den Schlüssel auf „Zündung“ stellen und überprüfen, ob alle Cockpit-Lämpchen brennen (bei manchen Modellen sind nicht alle Plätze belegt, also mit der Betriebsanleitung vergleichen!). Kühlwassertemperaturanzeige: Diese muß unten sein, ansonsten deutet es darauf hin, daß der Wagen kurz vorher gefahren wurde, vielleicht, weil er kalt nicht so gut startet?!

*    Sonst warten, bis er abkühlt ist. Der Wagen muß auch im kalten Zustand gut starten und beim Losfahren zügig Gas annehmen (Bei Diesel Vorglühzeit beachten!)

*    Bei Schaltwagen: Alle Gänge im Stand kontrollieren (bei der Fahrt später auch), ob sie sich leicht einlegen lassen (Rückwärtsgang nicht vergessen!). Dann den höchsten Gang einlegen und versuchen zu fahren: Der Motor muß hierbei absterben, ansonsten ist die Kupplung kaputt (gerade bei Wagen mit Anhängerkupplung wichtig!)

*    Die Probefahrt sollte etwa über 20-30km gehen und nach Möglichkeit Land, Stadt und Autobahn beinhalten. Selber fahren! Auch wenn die Versicherung des Halters nur auf ihn läuft, so besteht dennoch bei einer Probefahrt Versicherungsschutz!

*    Radio auslassen! Ansonsten kann man ungewöhnliche Geräusche nicht feststellen.

*    Wie „fährt sich“ der Wagen? Ist das Lenkrad ruhig oder schlägt es? Läuft er auf gerader Strecke auch ohne Hände am Lenkrad geradeaus? Bremst er gleichmäßig (auch aus höheren Geschwindigkeiten)?

*    Handbremse: Nach Möglichkeit auf losem Untergund bei geringer Geschwindigkeit nur mit der Handbremse bremsen: Er darf dabei die Richtung nicht verlieren und man kann an den Bremsspuren die gleichmäßige Wirkung überprüfen. Wie weit läßt sich der Handbremshebel bedienen (3-7 „Klack“ sind normal)?

*    Kühlwassertemperautanzeige bachten: Diese darf nicht über die Mitte gehen.

*    Funktionieren alle elektrischen Dinge (Fensterheber, Schiebedach, Sitzheizung, Gebläse, Heizung, etc.)?



Nach der Probefahrt:

*    Erneuter Blick in den Motorraum (siehe oben)

*    Reifen dürfen nur handwarm sein



Hat der Wagen alle diese Tests bestanden, hat man eigentlich alles getan, was man als Laie überprüfen kann. Für weiterführende Tests (Leistungs- od. Kompressionstest) sollte man sich an eine Werkstatt wenden.



Wo kaufen?


Meist sind die Angebote „von Privat“ günsitiger, aber auch der Kauf beim Händler hat Vorteile:

*    Auch wenn der Händler einen Gebrauchten „gekauft wie gesehen“ oder „unter Ausschluß jeglicher Gewährleistung“ anbietet, so ist er doch für nachträglich auftretende Mängel verantwortlich. D.h.: Bis zu 6 Monaten sollte man sich bei Mängeln wieder an den Händler wenden, da dieser hier Abhilfe schaffen muß. Bei meinem letzten Wagen bekam ich so gratis eine neue Windschutzscheibe und ein neues Heizungsventil!

*    Gerade Vertragshändler sind sehr auf ihren Ruf bedacht, so daß der Wagen meist vor dem Verkauf schon gründlich von der Werkstatt durchgecheckt wurde oder sogar schon, als der Wagen dem Händler etwa zur Inzahlungnahme angeboten wurde.

*    Außerdem lassen sich beim Händler zusätzliche Dinge mit „reinhandeln“, wie z.B ein neuer Auspufftopf, wenn der alte bald den Geist aufgibt, neue Reifen oder die berühmten Fußmatten.

*    Bei Händlern ist es meist üblich, Fahrzeuge mit „frischem“ TÜV und AU/ASU anzubieten. Das ist keine Garantie für irgendwas, erspart aber diese Wege zunächst einmal.

*    Wenn der Händler sagt: „Der Wagen war immer bei uns“, dann kann man sich auch die Unterlagen über die Wartung und durchgeführte Reparaturen ziegen lassen oder nachfragen, welcher Typ Autofahrer der Vorbesitzer war.

Dies alles soll nicht darüber hinweg täuschen, daß es immer problematisch ist, als Laie einen guten Gebrauchten zu kaufen, aber ausgestattet mit diesen Tips sollte es etwas leichter gehen.

Noch einige Tips zum Verkaufsgespräch:

*    Nie dringend einen Wagen suchen! Wenn der Verkäufer merkt, daß man diesen Wagen haben „muß“, wird er beim anschließenden Gespräch weniger „kooperativ“ sein.

*    Zeit lassen. Die oben beschriebene Prozedur kann inkl. Probefahrt gut und gerne 2 Stunden dauern. Vorsicht bei Verkäufern, die drängeln wollen.

b230ft

Hier noch einige Besonderheiten die Turbofahrzeuge angeht: Man sollte ben Vorbesitzer ruhig fragen wie er den Wagen gefahren hat. Schnell ist hier kein Problem, in kaltem Zustand Gas geben und in heißem abstellen ist eines!

*    Erreicht der Motor seinen vollen Ladedruck? (ist fast immer die Mitte des Druckbereiches im Ladedruckmesser)

*    Stößt der Wagen beim starken beschleunigen weiße Rauchwolken aus? Dann kat er ein Problem mit dem Ölverbrauch. Entwerder sind die Schaftdichtungen und Kolbenringe verschlissen, die Lager des Laders verschlissen oder nur die Kurbelgehäuseentlüftung dicht. Ist es hingegen nur eine kleine schwarze Wolke, ist das bloß die Vollastanreicherung und bei b230ft normal.

Wenn man eine Chance hat die Zuluftleitung vom Lader zu lösen kann man auch gleich das Spiel des Laders überprüfen: Er sollte sich an seiner Achse leicht drehen lassen und die Schaufelräder dürfen nirgens am Gehäuse schleifen. Nach oben und unten darf die Achse übrigens Spiel haben, da sie schwimmend gelagert ist und erst mit Öldruck zentriert wird. Axialspiel sollte sie aber nicht haben.