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Gedanken...


Sind wir doch mal ehrlich…

 …als 1998 der letzte S/V90 vom Band gelaufen ist, hat Volvo aufgehört, Volvos zu bauen.

Jetzt bauen sie Autos. Zugegeben: keine schlechten, aber alles, was mal Volvo ausgemacht hat, ist auf der Strecke geblieben. Das Massenmodell V70 ist beliebig austauschbar z.B. mit einem Audi A6, der XC90 mit einem X5, M-Klasse o.ä, vom V50 will ich hier gar nicht erst reden. Mir soll keiner der Frontantriebsfraktion etwas von „Volvo und Individualität“ erzählen oder von Zuverlässigkeit, oder Platzangebot. In all diesen Kategorien gibt es mittlerweile Mitbewerber, die besser sind. In diversen Pannenstatistiken dümpelt Volvo im Mittelfeld rum und die Kombis sind nicht größer als Konkurrenzprodukte.

Dies soll keine Rede für die Restauration sein und ich bin eigentlich auch kein ewig gestriger, aber meiner Meinung nach hätte Volvo ruhig einige der alten Tugenden übernehmen können.

Warum baut Volvo nicht mehr für die Ewigkeit? Nur, damit die Werkstätten besser ausgelastet sind??? Wie viel Einfluss hat die „Konzernmutter“ Ford auf das Unterfangen Volvo? Es ist doch schlechterdings ein Unding, dass sich Volvo auf Ford-Niveau herablassen muss! Und das Ford gerne Einfluß auf die Töchter nimmt, sieht man ja an den Schaltern, die man in einem Jaguar oder gar Aston Martin findet: Jeder Focus-Fahrer findet sich blind zurecht….

Ich hätte nie gedacht, dies einmal schreiben zu müssen, aber ich fürchte, früher oder später kann mir der Markt keinen meinen Vorstellungen entsprechenden Volvo mehr zur Verfügung stellen und an das, was dann kommt, will ich noch gar nicht denken!

Nur, weil ich zwei Kinder habe, kann ich mir doch keinen Sharan kaufen!!! Und was ich z.B. von einem Touran halten soll, hat unlängst die AutoBild nach ihrem 100000km-Test konstatiert: NIX!

Vielleicht bin ich doch ein ewig gestriger oder elender Schwarzmaler, vielleicht muss ich auch einfach nur meinen 960 noch 40 Jahre am Leben erhalten, ich weiß es noch nicht – vielleicht könnt Ihr mir ja helfen…

Aber eins ist sicher:

 

Wenn ich Frontantrieb

fahren will, hol´ ich mir ´ne

Motorhacke!

 

 

Andreas

Ein Wort zu Ford


( oder: Warum unbedingt heckgetriebene Volvos?)

Lange bevor Volvo von Ford übernommen wurde, war man dazu übergegangen, auch die großen Volvos (850) mit Frontantrieb zu bauen.

Die 850er stehen auch für einen Image-Wechsel, der, das darf man nicht vergessen, Volvo finanziell gerettet hat. Das alte, kastige Design, das wir so schätzen, hatte bei der breiten Käuferschicht keine Zukunft mehr und so begann Volvo, sich dem Zeitgeist anzupassen.
Als auffallenstes Merkmal des neuen Designs sind sicherlich die hohen, schmalen Heckleuchten des 850 Kombi zu nennen, die sich heute bei vielen anderen Marken wiederfinden (Opel Corsa C, Fiat Punto,...). Auch die Klientel änderte sich. Plötzlich entdeckten Architekten, Zähnärzte und Apotheker Volvo für sich, es war plötzlich schick, sich mit "Schwedenstahl" zu umgeben.

Sicherlich hat Volvo nicht plötzlich schlechtere Autos gebaut, aber das typische Volvo-Design, eingeführt mit dem 140er und weltweit bekannt gemacht durch den 240, war vorbei. Allerdings schon vor der Einführung des 850. Ich wage zu behaupten, daß eine 9er Limousine nicht eckiger ist als eine Mercedes E-Klasse dieser Zeit (W124) oder ein 5er BMW.

Inwieweit sich der Einfluß von Ford bei Volvo bemerkbar macht bleibt abzuwarten. Allerdings sagt der für Jaguar und Volvo zuständige Ford-Manager in einem Fernseh-Interview, er wolle die Eingenständigkeit der Marke Volvo behalten. Was ja auch einzusehen ist, denn im Gegenteil zu Ford konnte Volvo seine Anteile gerade am deutschen Markt in den letzen Jahren erheblich steigern.




Nun zu einigen praktischen Überlegungen zum Thema "Front- und Heckantrieb":



Als größter Vorteil des Frontantriebs wird immer die Wintertauglichkeit angeführt. Diese will ich auch gar nicht in Abrede stellen (es sei denn, man macht es wie mein Vater, der bei seinem E-Kadett, wie früher bei seinen Asconas, im Winter einen Zementsack in den Kofferaum legt...).

Aber: Mit etwas fahrerischem Können kommt man auf verschneiten Pisten mit Heckantrieb genauso gut voran.

Früher war das Hauptproblem des Frontantrieb der störende Einfluß auf die Lenkung; jede Veränderung der Gaspedalstellung war im Lenkrad zu spüren, vor allem etwa beim Abbiegen nach einer roten Ampel. Dies ist sicherlich heute kaum noch entscheidend, allerdings wurden mit Mordsaufwand neue Vorderachskonstruktionen ersonnen.
Ein heckgetriebener Volvo, mit seiner Steinzeit-Starrachse hinten, hat dieses Problem nie gehabt.

Als weiterer Vorteil des Frontantriebs wird ins Feld geführt, er benötige keinen Kardantunnel und sei damit im Innenraum geräumiger. Ich habe allerdings noch keinen Wagen gesehen, der keinen solchen Tunnel hat, schon aus Stabilitätsgründen ist er nahezu unverzichtbar.

Das wahre Argument, zumindest bei großen Wagen, ist ein ganz anderes: Dadurch, daß Motor und Antriebsstrang bereits fertig montiert gleichzeitig eingebaut werden können, spart der Hersteller pro Wagen einige hundert $ ein!

Sicherlich hat der Frontantrieb für "Otto Normalfahrer" keine gravierenden Nachteile, wohl aber, wenn man, wie wir es bevorzugen, eine sportlichere Gangart an den Tag legt. Dann kommt man nämlich ziemlich schnell an die Grenzen der Traktion.

... und mehr SPASS macht´s auch noch!!!



Warum? Beim Beschleunigen verlagert sich der Schwerpunkt des Wagens in Richtung Hinterachse, wodurch diese mehr belastet wird und die Antriebsräder besseren Halt finden ("Kripp", würde Christian Danner sagen). Beim Fronttriebler bedeutet dies allerdings, daß die Antriebsachse entlastet wird und die Räder schneller durchdrehen, dies umso mehr, je mehr Leistung der Wagen hat. Beim GolfII Diesel hält sich dieses Problem noch in Grenzen, beim 850T5R allerdings kann ich aus eigener Erfahrung sagen, daß es keinen Spaß gemacht hat, damit zügige Starts hinzulegen. Warum wohl gibt es keine ordentliche Rennserie, bei der die Fahrzeuge Frontantrieb haben (von Clio- und Lupo-Cup mal abgesehen, die sind aber auch nicht wirklich "ordentlich")? Für die neuaufgelegte DTM wurde der Opel Astra komplett auf Heckantrieb umgestrickt.

Ein weiteres Fronttriebler-Problem ist der Wendekreis. Motor quer eingebaut und das Getriebe direkt mit dran, da wird es rechts und links eng und es bleibt wenig Platz für eingeschlagene Räder. Außerdem ist es so eng unter der Motorhaube, daß auch gelegentliches Basteln und regelmäßige Wartung erschwert werden. Volvo gibt für das Wechseln einer Kupplung beim 850 1,5 Werkstatt-Tage an; bei den alten 2er, 7er, 9er schafft das ein versierter Hobby-Schrauber an einem Samstag Vormittag.

Also, für Fahrzeuge mit Leistung, und um die geht es hier ja schließlich, bleibt der Heckantrieb unverzichtbar, es sei denn, man fährt Allrad.



Andre@s